Eine Nacht auf dem German Fetish Ball

Label & Models: Lara Aimée’s Night Edge / Foto: Heinrich von Schimmer
Ich und meine Freundin haben eine wichtige Rolle bei dem Safeword Magazin: wir sind auf Parties und Events unterwegs und schreiben Berichte, die unseren Leser*inen die Entscheidung leichter machen sollen ob eine Veranstalltung was für sie wäre. So haben wir vom Safeword Magazin Karten für den German Fetish Ball bekommen. Doch bevor wir dort hin gingen, war die erste große Sorge... Das ist so ein großes und prestigeträchtiges Event. Haben wir die richtigen Outfits? Werden wir in den Vibe reinpassen? Sind wir vielleicht zu spießig?
Zuerst die Outfits. In der Beschreibung der Veranstaltung stand, dass Latex, Lack und Leder gern gesehen sind. Jedoch wurde auch zu Farben und fantasiereicher Mode ermuntert. Daran versuchten wir uns zu orientieren und warfen uns in Schale. Aufgrund von Bildern vergangener Bälle und unserer Erfahrungen im KitKat Club waren wir dann relativ entspannt, weil wir uns schon gewissermaßen sexy und verspielt anziehen können. Also zogen wir uns unsere heißen Fummel an und begaben uns ins Spindler und Klatt.
Dort angekommen erwarteten uns schon die ersten Überraschungen. Kaum aus dem Taxi ausgestiegen, wunderten wir uns wie wir am besten zum Eingang kommen könnten, aber lange mussten wir nicht warten, bis eine Gestalt in wunderbarer von Kopf bis Fuß Latex Montur auf einem E-Scooter an uns vorbei raste. Völlig locker stieg die Person ab und lief zielsicher Richtung Eingang. Wir waren uns sicher. Da lang geht's!
Angekommen in der Schlange waren wir uns unsicher, ob wir vielleicht etwas zu wenig Lack anhatten. Ich war von Kopf bis Fuß (inklusive Socken!) in Leopardenmuster gekleidet. Sophie, die Person, die sonst immer auf meinem Gesicht sitzt, war in einem wunderschönen Anthrazit Kleid, welches durchsichtig war, gekommen. Es war wie sich recht schnell heraus stellte kein Problem, da es verschiedenste Outfits gab von Lack und Leder bis hin zu farbenfrohen Kreationen, die teilweise an Superheld:innen erinnerten. Ich fühlte mich leicht an Manga und Anime Conventions erinnert, die ich manchmal besuche. Aber dennoch, der Fokus lag auf Latex! Sehr viel schwarz, Nieten, Masken und noch mehr Latex. Ich hatte einen kurzen leicht peinlichen Moment, als ich eine Besucherin fragte, ob sie ein Charakter aus Sonic the Hedgehog war. Sie antwortete: "Nein ich bin ein Fuchs. Könnte aber auch theoretisch Tails (der Fuchscharakter aus Sonic) sein." Ich war beruhigt, dass sie es sportlich nahm und mir eine Antwort gab, die mich zum Schmunzeln brachte.
Weiter in der Schlange vorangeschritten, waren die Menschen an der Tür allesamt sehr freundlich und wir betraten diesen Tempel des Anrüchigen.
Wir trafen direkt Menschen, die wir kannten oder die uns vorgestellt wurden, welche uns von ihren Erfahrungen berichteten. Einige waren noch vom Vorabend recht erschöpft, da nach der Messe die After Party im KitKat stattfand. Nachvollziehbar. Die Messe schien wohl sehr voll gewesen zu sein und es war klarer Fokus aufs Verkaufen. Etwas, was mich an Conventions aller Art stört. Wenn viel Verkauf drin stattfinden soll, warum soll dann ein Eintritt bezahlt werden? Oder warum ist dieser dann immer so hoch? Ich würde auf die Hallenmiete und das Einhalten bestimmter Vorschriften tippen. Seit einiger Zeit finden immer weniger Veranstaltungen -besonders in Deutschland- statt, weil das Aufstellen von Events durch diese Aspekte sehr kostspielig werden kann. Auch wurden uns als Kink und Link Events andere Orte und Locations genannt, wo eine etwas intimere und ausgelassenere Stimmung wäre und dass viele nur auf den GFB kommen um Leute, die sie schon kennen wiederzusehen. Auch viele neue Gesichter seien zu sehen, meinten ein paar alte Hasen.
Nach diesen Informationen kamen wir in der Schlange voran und kurz vor der Garderobe war ein Container, in dem wir uns umziehen konnten. Nichts Besonderes, aber immerhin ein Ort, an dem man sich nicht komplett ausgeliefert fühlen mußte. Danach gaben wir unsere Jacken und Taschen bei den sehr lieben Menschen an der Garderobe ab und stürzten uns ins Getümmel.
Nach all dem klassischen Vorgeplänkel stürzten wir uns Getümmel und schauten uns die Location an. Es gab drei Räume wo getanzt werden konnte wobei einer mit einer großen Bühne ausgestattet war für die Performances und die Modenschauen. Dies war völlig in Ordnung und hatte auch genug Platz um sich nicht zu eingeengt zu fühlen. Auch die Unisex Toiletten waren sehr sauber und nie überfüllt.
Also wir unsere ersten Eindrücke hinter uns hatten fingen die Fashion Shows an die mit einem charmanten Trio aus Moderator:innen eingeleitet wurden. Verschiedene Labels wurden vorgestellt auf der Bühne auf dem Catwalk und neben einigen Recht erwartbaren Kreationen hatten wir viel Freude auch kreative Latexkreationen zu sehen. Besonders Latex Peach mit ihrem Superhelden angehauchten Vibe und ihren divers besetzten Models gefielen uns gut.
Danach erwarteten uns Performances der Kunstschaffenden, die von etwas unterwältigend bis sehr ästhetisch reichten. Zu Beginn kam ein Mann mittleren Alters auf die Bühne, der mit einem Arm auf drei übereinander gestapelten Reifen balancieren konnte. Eine erstaunliche Leistung, die mich jedoch etwas ratlos zurückließ. Er machte es auf ein James Dean Art, welche etwas Humor mit sich brachte, aber so richtig warm wurden wir damit nicht. Es wirkte sehr fehl am Platz.
Die Performance danach war jedoch sehr artistisch, da eine Person mit einer Gasmaske auftrat welche mit einem Seil, welches von der Decke hing, verbunden war. Es war ästhetisch wie auch akrobatisch sehr schön zum Zuschauen. Danach war aber auch schon Schluss und wir widmeten uns dem Rest des Abends.
Was mir persönlich nicht gefiel war die Play Area. Es wirkte recht lieblos hergerichtet. 2 Böcke und ein Stuhl zum Spielen neben etlichen Bänken auf denen Leute Platz nahmen waren nicht unbedingt für eine lustvolle Atmosphäre förderlich. Es wirkte sehr kurzfristig aufgestellt und wenig Konzept dahinter. Man könnte argumentieren, dass dieser Teil nicht so wichtig war, weil es eben mehr Convention Charakter hatte und es weniger einen sogenannten, ich zitiere eine anwesende Person, "fucky Vibe" hatte. Es ging darum zu sehen und gesehen zu werden. Und viele der Outfits gaben das her und waren liebevoll vorbereitet. Mein Highlight waren zwei, als Latexmäuse gekleidete Personen, die Schwänze hatten, die aufgeblasen werden mussten. Frech und schick mir einer Prise Selbstironie, was ich sehr ansprechend fand.
Nachdem wir uns unsere Hintern wund getanzt hatten, blieb uns nicht mehr viel anderes übrig als nach Hause zu gehen und mich über ein Fazit nachdenken zu lassen.
Wie fand ich den GFB und würde ich ihn weiterempfehlen?
Ich denke die Veranstaltung ist gut für Newcomer, um etwas in diese Welt einzutauchen und zu networken. Selbes gilt für alte Hasen, die ihre vorherigen Bekanntschaften wieder aufleben lassen wollen. Jedoch muss eingestanden werden, dass dieses Events viele aus dieser Community auspreist. Ich hatte von der Party im KitKat nach der vorangegangenen Messe gehört und wäre tatsächlich lieber dort gewesen oder diese hätte vielleicht im Ticket mit eingeschlossen sein können. Mit "Auspreisen" meine ich besonders, dass erst ab 30 Euro auf dem Event mit Karte gezahlt werden konnte und die 70 Euro Eintritt für den Ball deutlich zu hoch waren für das, was es am Ende war. Dieser Lifestyle braucht seine Repräsentation wie auch die Community, die dahintersteckt, aber etwas mehr Liebe zum Detail und ein wacheres Auge für die Bedürfnisse verschiedener Gäste hätte durchaus nicht geschadet.
German Fetish Ball ist ohne zweifel die Europa größte Latex Modelshow des Jahres, eine Dress to Impress Party wo Latex Entusiasti*inen sich bewundern und inspirieren lassen können. Es entstehen dabei tolle Fotos, Kollaborationen und Kreative Prozesse und die Latex Szene lebt davon - ohne Zweifel.
Jedoch für die Party Maüse, die nach Spass und Kontakt zu den anderen Kinky Leute suchen ist das nicht wirklich eine Top 3. Wir hatten einen schönen Abend aber einer Wiederholung bedarf es hierbei für uns nicht. Denn Veranstaltungen zum Networken gibt es denke ich genug, wo Menschen sich noch besser kennenlernen können und dieser alternative Lifestyle genug Repräsentation bekommt.
Berichterstattung: Journalistenpaar Sophie & Nimbus




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