Boundcon Messe - Fesselnde Eindrücke und Reflektionen
- Liliel Wolfsohn
- 2. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Juli

Es ist fast einen Monat her, seitdem die Europa-berühmte Boundcon Messe stattgefunden hat. Das Safeword Magazine Team plant jetzt schon den Besuch im Jahr 2027. Kurz zusammengefasst: Die Messebesucher*nen, Austeller*inen, Künstler*inen - das Event in seiner Gesamtheit war einfach unvergesslich und hat viele tolle Eindrücke bei uns hinterlassen, die wir gern mit unseren Leser*inen teilen möchten:
Die Shows
Highlights des Events sind verschiedene Bondage Live Shows, durchgeführt von Meister*inen, die genussvoll, erotisch und sehr fachkundig ihre Opfer in die Seile einwickeln, bändigen, unterwerfen; bestrafen und oder belohnen, und sogar fliegen lassen. Diese intime Momente werden mit einem breiten Publikum geteilt und man spürt wie die Energie sich von die Bühne zu den Zuschauern fließt - begeisterte Blicke, freudige Gesichter. In dem Moment ist man als Zuschauer mit den Künstler*inen gebunden.
Während der Performance herrscht eine respektvolle Atmosphäre und die Szene wird nicht von Lärm, Kommentaren oder anderem auffälligem Verhalten gestört. Die Menschen, die gerade Interesse an was anderem haben, verlassen die Bereiche und gehen ihren Inspirationen nach.
Austeller*inen, Produkte und Dienstleistungen
Wir waren positiv überrascht über eine große Vielfalt der Stände: Eine reiches Angebot, an Ständen, mit unterschiedlicher Größe sowie Ausrichtung hat ein sehr homogenes Bild geschaffen.
Was zuerst ins Auge gefallen ist, war eine große Auswahl an Kleidung aus diversen Materialien. Es gibt alles von normalem Clubwear, über Leder und PVC bis zu einem tollen Angebot an Fashion Latex sowie systemische Masken und Bondage.
Accessoires, Schmuck, Schuhe und Stiefel gab es auch - sollte man sich also direkt vor Ort ein neues, cooles Outfit für die Party am Abend zusammenstellen wollen, wäre für jeden Geschmack was da.
Sehr viele Fashion Stände haben auch Individualanfertigung im Angebot, so dass die Besucher*inen vor Ort sich ein perfekt auf ihr Körper angepasstes Stück nach Ihren Massen direkt bestellen konnten.
Traditionell und zur unsere große Freude gab es auch eine schöne Auswahl an handgefertigtem Schlagzeug - die Marken, die man kennt uns liebt wie McHurt Berlin bis kleine, tolle Manufakturen die noch nicht so bekannt sind.
Passend zur Thematik der Messe hat man Fessel- und Bondageutensilien aller Art sehen, anfassen und ausprobieren können: Metallgestelle, so wie man sie aus Insex kennt, 3D Druck Modelle mit Timer und/oder mit Fernsteuerung, Leder, Seile und Segufix ähnliche Systeme.
Viel Vielfalt, aber dabei ein gutes Gleichgewicht zwischen Schlagzeug, Restriktionen, normale Clubwear bis auf ausgefallene Sachen auch im Latex
Besucher und Begegnungen
Wir haben bewusst eine Entscheidung getroffen, auf die Messe als “ganz normale” Besucher zu gehen - ohne Team Uniform, und ohne große Werbung. Wir wollten zuerst in persönliche Gespräche reinkommen und natürlich, wenn Interesse da ist, uns vernetzen, nach kleinen Interviews oder Fotos fragen. Das ist uns auch wirklich wunderbar gelungen. Das Publikum war sehr offen und kontaktfreudig und man ist gut in die zahlreichen Gespräche reingekommen. Die Boundcon Messe darf auf ihr angenehmes, interkulturelles Publikum stolz sein: ein guter Ton, respektvoller Umgang miteinander, Offenheit, Körper-positivität, Inklusivität und Kuriosität statt Verurteilung.
Einige Gäste haben sich sehr viel Mühe mit ihren Outfits gegeben, aber es gab eben auch keine Erwartungshaltung. Es kam zu keiner Ausgrenzung: Kunstvoll angezogene Gäste haben sich auch sehr gern mit casual gekleideten Gästen unterhalten und interagiert.
Grundsätzlich, hatte man den Eindruck, dass es ganz wenige sind, die sich zur Messe verirrt haben.
Orga & Gelände
Ganz großes Lob an das Orga Team: es wurde an alle gedacht: Zugang zu der Messe in allen Bereichen ist barrierefrei. Schöne, breite Wege zwischen den Ständen und genügend Raum auf den Toiletten - alle konnten sich frei bewegen, ob zu Fuß, auf den Knien oder im Rollstuhl. Es lief eine angenehme Musik im Hintergrund, und die Lautstärke war zu keinem Zeitpunkt so hoch, dass man sich nicht unterhalten konnte. Das hat dafür gesorgt, dass trotz zu Spitzenzeiten mit sehr vielen Gästen alle trotzdem einen Ort für sich haben können, wo man sich unterhalten kann, hinsetzen, ausruhen oder in ein tieferes Gespräch reinkommen.
Das Gastro-Angebot fanden wir ausbaufähig, dennoch, da die Bewirtung an den Ständen sehr gut war, hat man kein Hungergefühl gehabt.
Das Wetter war sehr angenehm warm und trocken und der Außenbereich wurde natürlich exzessiv benutzt, nicht nur während der Performance Zeiten. Wir fanden es sehr freundlich, dass die Fesselbereiche grundsätzlich allen zur Verfügung standen, egal ob man als Performer angemeldet ist und eine Show geleistet hat oder ob man gerade mit eine*r Partner*in ein neu gekauftes Spielzeug ausprobieren möchte.
Das war ein sehr coolster Events nicht nur für Bondage Fetischist*in, sondern es war wirklich inklusiv - eine große Vielfalt an Stil, Materialien, Kleidung, Kunst, Spielzeugen und sogar Literatur.
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Schade wirklich, ich hatte irgendwie auf eine kritische Einordnung gehofft, gerade von einem Magazin "aus der Szene für die Szene". Denn gerade in der Shibari-Szene wird die Boundcon ja schon seit Jahren für ihr oft all-hetero, all-male Line-up an Shibari-Artists kritisiert, das eine sehr stereotypische Fantasie darstellt.
Ein schöner Artikel